Liebe Bürgerinnen und Bürger,

am 1. Mai eine Kundgebung des „Mönchengladbacher Bündnisses "Aufstehen! Für Menschenwürde - Gegen Rechtsextremismus" ?

Eine überparteiliche Maikundgebung, bei der alle Bündnismitglieder, Gewerkschaften und Kirchen und viele andere gesellschaftliche Gruppen Hand in Hand zusammen stehen.

Wir treten heute laut und öffentlich ein für die Würde aller Menschen und stehen auf gegen jede Form rechtsnationaler Hetze gegen Ausländer und Asylanten.

Ein internationales Manifest – das ist und das war der 1. Mai. Es ging schon am Ende des 19. Jahrhunderts um die Würde des Menschen. Konkret: um die internationale Forderung aller Arbeiterinnen und Arbeiter, aufzustehen und für menschenwürdige Arbeitszeiten einzutreten. Nach einigem Hin und Her, nach Erfolgen und Misserfolgen auch politischen Debatten zwischen Kommunisten und Sozialisten haben die Nazis 1933 diesen Arbeiter- und Streiktag sozusagen als Feiertag okkupiert. Sie haben die Gewerkschaften gleichgeschaltet. Hitler hat den Tag zum Tag der NATIONALEN Arbeit erklärt.

Und heute? Die Arbeiterbewegung (eigentlich nicht nur die) hat sich den Tag nach 1945 zurückerobert.

Nein, der 1. Mai gehört nicht den Rechten, auch wenn die heute hier marschieren wollen. Der 1. Mai gehört den Arbeiterinnen und Arbeitern und allen demokratischen Kräften in unserem Land. Der 1. Mai ist ein Tag, der die Menschenwürde zum Thema hat, der das Nein zu Ausbeutung und Tyrannei laut werden lässt. Wir lassen uns diesen Tag nicht mehr wegnehmen. Auch heute nicht!

70 Jahre nach dem Ende von Naziterror und Kriegstoben kommen jetzt die Nazis wieder angekrochen. Die große internationale Sache der Arbeiterbewegung , versuchen sie erneut zu okkupieren. Mit dümmlichen Slogans missbrauchen Sie diesen „Tag der Arbeit“ erneut für Ihre Zwecke. Sie wollen diesen Tag zum NATIONALEN Tag der Arbeit machen. Es wird ihnen nicht gelingen!

Gut, dass inzwischen eine breite Allianz von demokratischen Kräften wachsam darauf reagiert und aufsteht gegen jede Form des Missbrauchs der guten Sache. Das Bündnis gegen Rechts steht. Hier bei uns und in vielen Städten unseres Landes. Darauf können wir stolz sein!

1. Mai 2015: Menschen sind in diesen Tagen in Not. Wirtschaftlich, politisch. Ihnen fehlt es an allem. An Nahrung, an Kleidung, an Frieden. Sie haben kein Dach mehr über dem Kopf, sind Vertriebene oder auf der Flucht. Ihnen fehlt es an Perspektiven für ihr Leben, an Arbeit und Hoffnung. Sie kämpfen in vielen Ländern dieser Erde um ihr Überleben. Sie kämpfen um Bildung für ihre Kinder und Perspektiven für ihre Zukunft. Sie suchen Hilfe und finden doch oft keine. Sie suchen Obdach und finden sich in Flüchtlingslagern wieder. Manche von Ihnen schaffen es bis an Mittelmeer. Dann steigen sie voller Hoffnung auf Rettung und Hilfe in Boote und Schiffe. Sie zahlen ihren letzten Cent an Schlepperbanden um dann in Todesgefahr übers Meer nach Europa zu kommen. Für Tausende ist es inzwischen der Weg in den Tod geworden. Sie wollten zu uns und haben auf dem Weg zu uns das Leben gelassen. Und wir haben es nicht verhindert. Nicht verhindern können? Nicht verhindern wollen!

Wer sind wir, dass wir diesen Menschen, deren letzte Hoffnung wir Europäer und eben auch wir Deutschen mit unserem Asylrecht sind, die Hilfe verweigern? Hier ist internationale Solidarität nötig. Eine gemeinsame Aktion aller, die für Menschenrechte und Demokratie einstehen. Ein Manifest der Solidarität, dem Taten folgen müssen. Rettungstaten. Wir müssen gemeinsam dafür einstehen und erklären:

Menschen in Not, Menschen auf der Flucht muss geholfen werden. Das ist auch im christlichen Sinne geboten! Wenn wir Menschen in Not nicht solidarisch zur Seite stehen, dann ist das Schuld. Wenn wir nicht helfen, obwohl wir helfen können, dann ist das Sünde!! Unterlassene Hilfeleistung. Die ist übrigens auch vor dem Gesetz strafbar.

Und: wir können helfen. Wir sind ein reiches Land. Die Arbeitslosigkeit ist deutlich gesunken. Wirtschaftlich geht es gerade uns Deutschen in Europa besonders gut. „Wem viel gegeben ist, von dem wird man umso mehr fordern“ hat Jesus gesagt - Uns ist viel gegeben!

Ein „Soli“ für die Hilfe für Flüchtlinge und Asylsuchende würde keinem von uns wirklich wehtun. Das Geld könnte verwendet werden um in Herkunftsländern, auf den Fluchtwegen, im Mittelmeer und dann auch hier notwendigen Hilfsmaßnahmen für Menschen in Not zu organisieren und durchzuführen.

“ Wir arbeiten und andere kassieren?“ – Blödsinn: Wir arbeiten und können anderen helfen! - Solidarität mit den Schwachen, statt „jeder ist sich selbst der Nächste“ - Willkommenskultur, statt „Deutschland den Deutschen“! - Menschen Herberge geben und Nahrung, statt „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“! Kundgebung am 1. Mai 2015

Wir sind heute hier um den Tag der Arbeit als einen Tag der Solidarität mit den Schwachen gegen rechte Parolen und Schwätzer zu verteidigen. Wir sind heute hier um Flagge zu zeigen für ein demokratisches Miteinander.

Wir treten ein für die Übernahme von Verantwortung für Menschen in Not. Und wir sind hier um unsere Zivilgesellschaft gegen religiösen und politischen Extremismus und Fanatismus zu verteidigen. Wir können nicht zulassen, dass Extremisten und Fanatisten, gleich welcher Herkunft, in ihrer Beschränktheit mit tumben Parolen versuchen uns die Welt zu erklären. Wir überlassen unser Land nicht den dummen Sprüchen der Rechten und ihrer verdrehten Weltsicht!! Wir überlassen unser Land auch nicht islamistischen Extremisten und ihrem Dschihad! Wir stellen uns ihnen in den Weg. Mit allen rechtsstaatlichen Mitteln tun wir das. Und je mehr wir sind, desto besser!

Die große Welle der Hilfsbereitschaft für die hier ankommenden Flüchtlinge zeigt, dass die Mitte der Gesellschaft sich nicht aus Angst vor dem Ende des Abendlandes in die Hosen macht, wie manche es vielleicht annehmen. Viele Menschen engagieren sich mutig und mit Freude. Durch ihren Mut und ihr Engagement für die Schwachen tun sie mehr für die „Rettung des Abendlandes“, als jeder Pegida-Aktivist. Diesen Menschen gehört mit ihrem Engagement für das solidarische Miteinander und den Frieden, die Zukunft in unserem Land. Sie zeigen, was eine Zivilgesellschaft vermag. Und sie verdienen unsere Unterstützung. Unsere Solidarität- auch finanziell –. Und unsere Wertschätzung. Und unseren Applaus.

1. Mai 2015- Kundgebung des „Mönchengladbacher Bündnisses "Aufstehen! Für Menschenwürde - Gegen Rechtsextremismus" ? Maikundgebung. Überparteilich. Gewerkschaften und Kirchen und viele andere gesellschaftliche Gruppen – so sind wir heute hier zusammengekommen.

Lasst uns einander die Hände reichen und Hand in Hand zusammen stehen. So setzen wir Zeichen für die Kraft und die Stärke unserer Demokratie. So zeigen wir all denen, die mit dummen Sprüchen oder menschenverachtenden Absichten und Taten Zukunftsängste schüren wollen: Mit uns nicht! Mit uns nicht! Wir werden heute, und grundsätzlich Aufstehen für die Würde aller Menschen. Wir werden an der Zukunft unseres Landes und dieser Welt weiterbauen. Damit unsere Gesellschaft bunt ist und bleibt. Und das voller Zuversicht, gerade jetzt. Gemeinsam!

Pfarrer Dietrich Denker (Superintendent des Kirchenkreises Gladbach Neuss)

Mönchengladbach, am 1. Mai 2015

 

Ansprache Ferdiand Hoeren vom 1. Mai 2015

 

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