Liebe demokratische Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich begrüße Sie herzlich im Namen des „Mönchengladbacher Bündnis: Aufstehen! – Für Menschenwürde – Gegen Rechtsextremismus“ und auch der Aktionsinitiative „Mönchengladbach stellt sich quer“ zu unserer gemeinsamen Demonstration „1. Mai Nazifrei“. Ich danke den Initiatoren,

denn sie haben für heute unsren Kreis vergrößert und stärker gemacht.

Besonders begrüßen will ich unsere Bundestagsabgeordnete Gülistan Yüksel und unseren Landtagsabgeordneten Hans-Willi Körfges sowie alle Damen und Herren aus dem Mönchengladbacher Stadtrat sowie alle Bürgerinnen und Bürger aus umliegenden Ortschaften.

Wir demonstrieren heute gegen die NPD, die unsere Verfassung und hier die Meinungsfreiheit und das Demonstrationsrecht dazu benutzt, gegen Asylbewerber und Flüchtlinge in menschenverachtender Art zu hetzten.

Ich will Ihnen einen kurzen Blick in die Vergangenheit bieten, denn ich bin 78 Jahre alt und habe die Nazizeit noch als Kind erlebt.

Kurz nach der Machtübernahme am 30. Januar 1933 ging es schon los. Am 2. Februar brannte der Reichstag durch Brandstiftung, den die Nazis den Kommunisten in die Schuhe schoben. Die Kommunistische Partei wurde verboten und ihre Mitglieder verfolgt.

Im April wurde das Ermächtigungsgesetz verabschiedet und damit die Demokratie abgeschafft.

Die sozialdemokratischen Abgeordneten stimmten als einzige dagegen. Die Folge war: Die SPD wurde verboten und ihre Mitglieder wurden verfolgt.

Am 2. Mai besetzten die Nazis die Gewerkschaftshäuser; sie schafften die Gewerkschaften ab und verfolgten ihre Funktionäre.

Und die neuen Nazis, die NPD, wagen es nun am 1. Mai 2015 infam und provokant, am Tag der Arbeit und der Gewerkschaften wieder gegen Menschen zu hetzen.

Damals haben die Nazis alle Gegner verfolgt und in Konzentrationslager gesteckt aber auch die Juden, Sinti und Roma und selbst die Behinderten.

Alle diese Menschen mussten um Leib und Leben fürchten und - soweit sie eine Möglichkeit hatten –

aus Deutschland fliehen in der Hoffnung, dass unsere Nachbarstaaten sie aufnehmen würden.

1939 eröffneten die Nazis den 2. Weltkrieg, der für uns hier ab 1940 Bombenkrieg hieß. Meine Mutter ist mit mir – wie unzählige andere – vor dem Bombenterror geflohen. Und wir waren froh, dass wir in Thüringen aufgenommen wurden. 1945 nach Kriegsende begann die große Flüchtlingswelle der Deutschen, die aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten vertrieben worden sind. Und auch sie waren froh, dass sie im Gebiet der heutigen Bundesrepublik aufgenommen wurden.

Das sind die Gründe dafür, warum die Mütter und die Väter unseres Grundgesetzes den Artikel 16 a,

das Asylrecht, eingeführt haben und die Bundesrepublik der Genfer Flüchtlingskonvention beigetreten ist.

In unserem Grundgesetz heißt es jedoch auch im Artikel 18: „ Wer die Freiheit der Meinungsäußerung insbesondere (…) das Asylrecht zum Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung missbraucht, verwirkt diese Grundrechte.“

Die NPD, die Neonazis, missbrauchen nicht nur den 1. Mai sonder auch unsere Grundgesetz.

Wir wollen diese Nazis nicht in unserer Stadt nicht und auch sonst nicht.

Deshalb stellen wir uns quer: Heute aber auch in Zukunft.

 

Ansprache Dietrich Denker vom 1. Mai 2015

 

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